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Taekwondo Hanmadang 2009

12.08.09 (Taekwondo)

Heuer findet das Taekwondo Hanmadang Festival wieder in Korea statt, nachdem es im Vorjahr mit maessigerem Erfolg erstmals ausserhalb Koreas – in den USA – organisiert worden war. Dangjin, der “Hafen nach China”, ist der Austragungsort. Fuer alle Taekwondoin, die  nicht unbedingt an Weltmeisterschaften oder Vollkontaktturnieren teilnehmen moechten ist ein Festival wie das Hanmadang der richtige Ort, um sich in Bruchtest, Formen und Selbstverteidigungsvorfuehrungen zu messen.

Ganz nebenbei stellt das Organisationskommittee auch Unterkunft und Verpflegung zur Verfuegung, sodass fuer die Teilnehmer eigentlich nur die Flugkosten nach Seoul anfallen. Einige tausend Taekwondoin aus aller Welt haben das auch diesmal wieder genutzt, umdas Angenehme mit dem Nuetzlichen zu verbinden und die Gastfreundschaft Koreas mit Medaillen und Urkunden zu verzieren.

Gleichzeitig ist so ein Taekwondo Festival auch eine gute Gelegenheit um zu sondieren, wo sich die Taekwondo-Welt ausserhalb Olympias hin entwickelt – technisch und organisatorisch. Gleich vorweg: so viel Akrobatik und technische Brillanz war noch nie zu sehen. Was vor einem Jahr noch von exklusiv von den Mitgliedern des WTF- oder Kukkiwon-Demoteams gezeigt wurde, ist heuer Allgemeingut. Vierfach-, Fuenffachkicks, ja sogar Sechsfachkicks werden gezeigt. Auch nach oben gibt es scheinbar keine Grenze: Dreifachpyramiden (drei Leute uebereinander, der oberste haelt das Bruchtestbrett in die Hoehe) sind Standard. Die Ausfuehrenden werden von kraeftigen Untermaennern nach oben katapultiert und landen (meist) auf den eigenen Beinen, natuerlich nicht, ohne das Brett vorher mit Saltos, Drehungen oder Spiralen zerbrochen zu haben. Man kommt sich vor, wie im koreanischen Nationalzirkus, nur ohne Sprungbrett.

Bei den Power-Bruchtests beginnt man mit vier genormten Plastikbretter (die Dicken, die man wieder zusammenstecken kann), dann geht’s mit Zugaben in die zweite Runde und schliesslich ins Finale. Fuer die Haende stehen Marmorplatten bereit, jede etwa eineinhalb Zentimeter dick. Sieben bis zehn von denen sind die Vorgabe. Bis jetzt (am ersten Tag) hat sich noch niemand verletzt, eigentlich ein Wunder. Das Festival dauert noch drei Tage.

Immer wieder eine Augenweide sind die Kinder. Als Europaeer kann man nur neidvoll nach Korea schielen, wenn man die Kindergruppen sieht, die Poomse oder Musikformen einfach in Perfektion laufen. Musikformen sind uebrigens bei der naechsten Poomse-WM ein Thema. Gute Nacht, Europa. Hierzulande beginnen gerade die ersten zaghaften Versuche, ‘Taekwondo-Dance’ populaer zu machen, mit sehr maessigem Erfolg. Wer die Vielfalt und das technische Niveau der vielen koreanischen Gruppen hier sieht, braucht sich nicht wundern, woher die naechsten erfolgreichen Teilnehmer bei internationalen Meisterschaften kommen. Dann heisst es wieder ‘Aber die Schiedsrichter sind parteiisch und bevorzugen die Koreaner!’. Kommt mal nach Korea und schaut euch um, liebe Kollegen, und reisst dann den Schnabel auf. Naja, zumindest im Schifahren macht uns keiner was vor.

Will man die Hauptpunkte des Gesamteindrucks aufzaehlen, so sind das:

Rasanz - Aufbau und Durchfuehrung der Bruchtests sind extrem schnell und eingeuebt. Kein Wunder: ein Teamhat nur eine Minute Zeit und bringt darin zwei hoechst komplizierte Massenbruchtests unter.

Genauigkeit - Techniken werden sehr genau, exakt und kraftvoll ausgefuehrt, egal ob Kinder oder Erwachsene. Wer das koreanische Trainingssystem kennt (Wiederholung, Wiederholung, Wiederholung…) weiss, wo das herkommt.

Hoehe – alle Bruchtests werden – wie erwaehnt - in extremer Hoehe durchgefuehrt. Darueber hinaus sind sie mit vielen, vor Kurzem noch unmoeglich erschienenen Drehungen versehen.

Akrobatik – nicht nur bei den Bruchtests, auch bei den freien Formen und der Musikpoomse beherrschen alle Teilnehmer akrobatische Elemente. Der Trend geht hin zu Sportgymnastik als Grundlage fuer die freien Taekwondo-Formen.

In den naechsten Tagen werden noch verschiedene andere Disziplinen durchgefuehrt. Der Eindruck des ersten Tages zeigt aber schon, wohin die Entwicklung bei Poomse und freien Formen geht. Wie sich das Wettkampf-Taekwondo entwickelt werden die Taekwondo-Weltmeisterschaften im Oktober in Kopenhagen zeigen.