Taekwondo Goes Electronic
28.06.09 (Taekwondo)
Bei den kommenden Taekwondo Weltmeisterschaften im Oktober 2009 in Kopenhagen werden erstmals elektronische Kampfwesten eingesetzt. Das hat die WTF (World Taekwondo Federation) nach langen Beratungen entschieden.
Zu diesem Zweck wurde eigens eine Kommission gegründet, die alle Aspekte des Equipments überprüfte und schließlich ihre Empfehlung aussprach. Zwischen den verschiedenen Produzenten tobt ja seit einiger Zeit ein erbitterter Kampf: Adidas, Daedo und LaJust heißen die Hauptkonkurrenten, wobei nur LaJust die offizielle Lizenz der WTF besitzt.
Damit wäre die Sache eigentlich entschieden, aber Adidas hat sich in Europa die Unterstützung der ETU, des Europäischen Taekwondo Verbandes, gesichert und will unbedingt sein eigenes Produkt durchsetzen. Wobei es sich genau genommen gar nicht um ein Adidas-Produkt handelt, sondern um die Entwicklung der kleinen österreichischen Firma ATM, die von Adidas vermarktet wird.
Rein technisch unterscheiden sich die beiden Westen von Adidas und LaJust deutlich. Nur LaJust kann bei Verwendung der optionalen Sensorsocken garantieren, dass automatisch ausschließlich regelkonforme Treffer gewertet werden. Bei der Adidas-Weste müssen etwaige Knie- Ellenbogen- oder sonstige ungültige Treffer vom Kampfrichter wieder annulliert werden, was natürlich Probleme verursacht. Dennoch hat Adidas in Europa viele Anhänger.
Jetzt hat sich aber LaJust endgültig durchgesetzt und wird bei der WM einen großen Auftritt haben. Zwar wurden in den letzten Jahren schon viele - auch große internationale – Turniere mit LaJust ausgetragen (auch in Wien übrigens), in Kopenhagen werden die elektronischen Westen aber erstmals auf einem von der WTF sanktionierten Weltturnier eingesetzt. Der nächste Schritt sind dann die olympischen Spiele 2012 in London.
Generell herrscht die Meinung, dass automatische Punktevergabe durch Elektronik ein großer Schritt vorwärts in Richtung Objektivität und Modernisierung des Taekwondo ist. Der Teufel steckt im Detail. Messung und Auswertung der Treffer sind nicht einfach, scheinen aber jetzt ziemlich im Griff zu sein. Für die Kampfrichter ist es jedenfalls eine Erleichterung, weil sich zukünftig der Zorn der Verlierer mehr auf die Technik als auf sie richtet.
Die Entscheidung der WTF hat sicher auch Auswirkungen auf den weiteren Verbleib von Taekwondo im olympischen Programm. Bereits kurz nach den Weltmeisterschaften findet ja in Kopenhagen eine Sitzung des IOC statt, wo es darum geht, ob Taekwondo auch nach 2016 olympisch bleiben wird. Alle Augen richten sich daher auf Kopenhagen und auf die neuen elektronischen Kampfwesten.
